16.06.2019: MoPo

Dietmar Woidke will Nachtflugverbot am BER ausweiten

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke drängt bei Mitgesellschaftern auf mehr Ruhe am BER zwischen 5 und 6 Uhr morgens.

Brandenburg fordert eine Ausweitung des Nachtflugverbotes am BER in Schönefeld. „Wir wollen die Ausweitung des Nachtflugverbotes“, sagte der Ministerpräsident des Landes, Dietmar Woidke (SPD), der Berliner Morgenpost. „Wir sind da in intensiven Gesprächen mit der Geschäftsführung, es geht vor allem um die Stunde zwischen 5 Uhr und 6 Uhr.“

Die Flughafengesellschaft (FBB) habe zwar ein Interesse daran, so viele Flüge am BER abwickeln zu können wie möglich. „Wir glauben aber, dass die eine Stunde die Möglichkeiten des Flughafens, Geld zu verdienen, nicht schmälert“, sagte Woidke.

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Starts und Landungen am BER sollen nur eingeschränkt möglich sein

Das Nachtflugverbot am neuen Flughafen ist seit Jahren umstritten. Brandenburg drängt auf eine längere Flugpause in der Nacht, um die Anwohner vor dem Lärm zu schützen. Bislang ist ein striktes Flugverbot für die Zeit von 0 Uhr bis 5 Uhr vereinbart.

Eine Stunde vor und nach dieser Nachtpause sollen Starts und Landungen nur eingeschränkt möglich sein. Aufgefordert durch ein erfolgreiches Volksbegehren hatte jedoch die brandenburgische Landesregierung wiederholt gefordert, das Flugverbot am Morgen um eine Stunde auf 6 Uhr auszuweiten. Das hätte nach Berechnungen der Flughafengesellschaft allerdings erhebliche Auswirkungen auf die Passagierzahlen. Je nach Reaktion des Marktes sei mit einem Verkehrsrückgang von acht bis 18 Prozent zu rechnen, heißt es in einer von der FBB in Auftrag gegebenen Untersuchung. Das würde bedeuten, dass zwischen den Jahren 2020 und 2035 mindestens 57 Millionen Fluggäste weniger am BER abfliegen könnten, heißt es weiter. Es könnten aber auch bis zu 128 Millionen Fluggäste weniger sein.
BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup will längere Flugzeiten

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte zuletzt gar für längere Flugzeiten plädiert. „Wenn wir mit dem BER erfolgreich sein wollen, kommen wir ohne die Randzeiten trotzdem nicht aus“, sagte Lütke Daldrup. „Insbesondere die für die gesamte Region wichtigen Langstreckenverbindungen nach Amerika und Asien müssen die Möglichkeit haben, die Randzeiten nutzen zu können.“ Die Entscheidung darüber liegt bei den drei Gesellschaftern des Flughafens, Berlin, Brandenburg und dem Bund.

Die Berechnungen der Flughafengesellschaft unterstreichen den Wunsch des Flughafenchefs. In ihrem Modell gehen die Betriebswirte von einem Szenario aus, in dem sich das Zeitfenster für Ausnahmeabfertigungen in der sogenannten Tagesrandzeit am Morgen um eine Stunde nach hinten verschiebt. In diesem Fall dürften verfrühte Maschinen am BER nur noch zwischen 6 Uhr und 6.30 Uhr landen statt wie bisher geplant zwischen 5 Uhr und 5.30 Uhr.
Ziel am BER: regelmäßige Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht

Der Koalitionsvertrag von SPD, Linken und Grünen in Berlin lässt die Frage nach einer Ausweitung des Flugverbots offen. „Für die Koalition ist es im Interesse der Menschen im BER-Einzugsgebiet und der Akzeptanz des Flughafens ein wichtiges Ziel, mehr Nachtruhe zu erreichen“, heißt es im Regierungsprogramm. „Ziel ist es, regelmäßig zu Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht zu kommen.“ Auch soll geprüft werden, ob zur Reduzierung von Fluglärm an den Tagesrandzeiten nur von einer Start- und Landebahn am neuen Hauptstadtairport geflogen wird.

Die Flughafengesellschaft hat inzwischen angekündigt, die Gebühren künftig nach der Lautstärke der Jets zu erheben und nicht mehr nach dem Flugzeugtyp und daraus abgeleiteten Lärmklassen. Nach der Eröffnung des BER soll der Lärmwert von jedem Flieger erfasst werden. Wie viel die Airlines für die Benutzung des Flughafens dann zahlen, hängt von diesen individuellen Daten ab. Je nachdem, wie viel Lärmemissionen verursacht werden, sollen so pro An- und Abflug 40 Euro bis 7500 Euro fällig werden.

Doch der Fluglärm ist nicht nur für den BER ein Thema. Auch die Anwohner des City-Flughafens Tegel haben damit zu kämpfen, bis er – wie geplant – nach der Eröffnung des BER geschlossen wird. Auch nachts wird Tegel trotz Verbotes angeflogen. Laut FBB fanden nur in zwei Wochen des Jahres 2018 keine Landungen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr statt. 184 Mal wurden Maschinen nach Schönefeld umgeleitet, weil sie nach 23 Uhr in Tegel nicht mehr landen durften.
Politiker glaubt an eine Eröffnung im Herbst 2020

Keine Zweifel hat Brandenburgs Regierungschef Woidke an der geplanten Eröffnung des neuen Flughafens BER im Jahr 2020. „Wir haben das vermeintlich unlösbare Problem, die Entrauchungsanlage, gelöst“, sagte der SPD-Politiker. „Die Firmen und die Geschäftsführung haben hart daran gearbeitet.“ Spätestens diesen Herbst muss die Baustelle fertig sein, damit der Probebetrieb beginnen kann.

Jens Anker
16.06.2019
https://www.morgenpost.de/flughafen-BER/article226181513/Flughafen-BER-Brandenburg-will-Nachtfluege-weiter-einschraenken.html